Kuschelige Wintersocken. Fußbodenheizung. Ingwerfußbäder. Alles schön und gut. Kalte Füße sind oft aber das Resultat von Unsicherheit und Angst!

Von Susanne Schiller

Nie wieder kalte Füße: Ein Hohelied auf kuschelige Wintersocken, eine flammende Rede für wärmenden Ingwertee, eine Werbung für Fußbodenheizung… ich muss euch leider enttäuschen, um das gehts hier nicht, im neuen Blog zum Thema Wasserelement. Sondern… richtig erraten, es geht um… Angst!

Und ja, es ist nur ein Gefühl, aber dieses Gefühl erzeugt, wenn es ständig und ohne Grund da ist, richtig unangenehme und deutlich spürbare Zustände im Körper. Lasst uns also zwei der häufigsten Angststörungen, – die generalisierte Angststörung und die Panikattacken – aus der Sicht eines Shiatsupraktikers näher betrachten…

Angst lässt das Qi frieren (Generalisierte Angststörung)

Wenn Lebensängste einem den Mut rauben, weil das Gefühl von Sicherheit und Grundvertrauen fehlt, fühlt man sich hilflos und im Stich gelassen und spürt sehr häufig eine nicht näher beschreibbare Angst. Angst, die uns vor Gefahren warnen soll, löst normalerweise bestimmte körperliche Zustände aus. Anspannung, Nervosität, erhöhter Blutdruck: Alles normale Reaktionen, damit der Körper mit Kraft auf eine Bedrohung reagieren kann. Aber es gibt keine reale Bedrohung und die Zustände sind trotzdem da. Chronisch diffuse Ängste, die keinen konkreten Grund haben, gehen an die Nieren. Oder sie kommen aus schwachen Nieren. Man ist ständig besorgt wegen etwas oder jemanden. Ängste hinterlassen ein Gefühl von geringem Selbstwert, emotionaler Starre und Handlungsunfähigkeit. Der Nierenmeridian kann übrigens innen an den Beinen gespürt werden, wenn man zum Beispiel aus großer Höhe runterschaut: Man spürt die Fließrichtung des Qi, nämlich abwärts. Die gesunde Flussrichtung der Nieren würde nach oben gehen. Aber der Spruch „sich vor Angst in die Hose machen“ trifft es auf dem Punkt. Diese Abwärtsbewegung zeigt sich auch in den Gemütszuständen: Hilflosigkeit und das Gefühl von Überwältigtsein nehmen einem alle Kraft. Die kalten Nieren wandeln die Feuchtigkeit im Körper nicht mehr um und führen so zu kalten Füßen, zu weichem Stuhl am Morgen, häufigem Harndrang oder Ödemen an den Knöcheln. Allgemeine Schwäche, Kurzatmigkeit, gedrückte Stimmung, zu schwache Willenskraft, um etwas zu ändern und Lethargie gesellen sich dazu. Kurz gesagt, ein Zustand des Yang Mangels! Die Lösung liegt nahe: Wärmen mit Moxa, wärmen mit den richtigen Lebensmitteln, wärmen mit Ingwerfußbädern. Und wärmende, liebevolle (Körper)Kontakte 🙂

Kalte Füße – heißes Herz

Nun einen Schritt weitergedacht… Wenn das Wasserelement energetisch schwach ist, wird das Yang des Feuers immer stärker werden, da ja das Wasserelement das Feuerelement nicht mehr kontrollieren kann. Aber nur eine gut balancierte Feuer-Wasserachse garantiert dem Wasserelement warme Nieren und dem Feuerelement gute, nicht zu trockene Hitze. Lodert nun das Feuer durch das schwache Wasser hoch, wird das Yin des Herzens verbraucht. Sind die Emotionen dazu noch stark oder halten länger an, kommt es immer auch zu Stagnation in der Leber, was wiederum zu noch mehr Hitze führt und somit sind der zweiten Angststörung alle Hindernisse aus dem Weg geräumt…

Es kommt zu Panikattacken!

Sie kommen ohne Voranmeldung, einfach so, immer wieder: In Begleitung von Schwindel, Schwitzen, Herzrasen, einem Gefühl der Selbstentfremdung oder dem Gefühl zu ersticken… Bei dieser Form der Angst geht´s weniger um das Wasserelement als vielmehr um einen Exzess im Feuerelement. Schlafmangel, austrocknende Nahrung, mentale Überforderung und oder exzessiver Sport fördern noch mehr dieses Ungleichgewicht. Die Lösung liegt auch hier nahe: gleicht man den Yin Mangel auf der körperlichen Ebene aus, beruhigt sich auch die Psyche und die Panikattacken werden weniger.

Unterschiedliche Ausdrucksformen der Angst

Je nachdem, mit welchen anderen Elementen man das Wasserelement in Beziehung setzt, kommt man zu einer differenzierteren Sichtweise, wie sich Angst auszudrücken vermag. Beginnen wir mit dem Element Wasser zu sich selbst. Hier zeigt sich die existentielle Angst, die Angst vor Tiefe und Dunkelheit, die Angst vor dem Sterben und dem Tod. Die Angst vor Veränderung, vor Verlust der Freiheit, oder aber auch Alpträume, spiegelt sich sehr gut in der Beziehung Wasser,- zu Holzelement wider. Angst im Element Feuer drückt sich mit Stottern aus, mit Verwirrtheit, mit einer Furcht vor einer höheren Instanz, unruhiger Begierde oder panischem Verhalten. In Bezug zur Erde läßt sich Angst als die Angst vor Irrationalem beschreiben, vor Dingen, die jenseits des für uns Fassbaren liegen. Und im Metallelement zeigt sich Angst als Platzangst, Furcht vor Schmerzen oder die Angst vor der Zukunft.

Das Erdelement, ein Joker im Spannungsfeld Wasser zu Feuer!

Achtsamkeit, ein Zustand aus dem großen Repertoire des Elements Erde, beherrscht über den Kontrollzyklus die Furcht des Wasserelements. Und die Aufmerksamkeit auf die Nahrung fördert über die Beseitigung des Yang Mangels bei generalisierten Angststörungen oder des Yin Mangels bei Panikattacken die ausgleichende körperliche Grundvorraussetzung für ein Beherrschen der Angst. Zwei Strategien also, die dem angeschlagenen Wasserelement helfen können. Lege also besonderen Wert auf Dein Erdelement. Wie das geht…? Durch Genuss, Muße und Besonnenheit! Werde satt an allem, was Deine Sinne aufnehmen können…sei im Hier und Jetzt und genieße das Vertrauen in Dich, das dabei entsteht. Kümmere Dich um Dich, nimm Dir Zeit! Und beruhige Deinen nervösen Magen, der dich immer wieder antreibt und Dir keine Zeit mit Dir vergönnt. Wie DAS jetzt wieder geht…? Mit Dehnübungen des vorderen Oberschenkels und mit den richtigen Lebensmitteln aus der Fünf Elemente Küche… wie sonst!

Angst wirksam begegnen

Emotionen sind Freunde, aber nur, wenn das Verhältnis der energetischen Ladung der Organe zueinander ausgewogen ist. Dann sind auch die Emotionen ausgewogen. Denn schon lange bevor wirkliche Symptome entstehen, beeinflusst der energetische Zustand unser Denken und Fühlen. Und es ist genauso möglich, durch eine andere geistige Haltung und ein anderes psychisches Erleben, die körperliche Verfassung eines Menschen zu ändern. Noch ein paar hilfreiche Tipps um die nächsten kalten Füße zu vermeiden…

  • Achte auf Dein Yin, wenn Du an Panikattacken leidest. Mit ausreichend Schlaf, Ruhe, guter Nahrung und wenig Weniger im Leben.
  • Der Umgang mit kleinen Portionen Angst macht mutig – Unwissenheit hingegen schürt Angst.
  • Bewegung ist eines der besten Mittel gegen den Yangmangel bei diffusen Ängsten. Bewegung belebt, motiviert und schafft Selbstvertrauen. Die beste Vorraussetzung für eine ausgeglichene Stimmung, mehr Willenskraft und ein gutes Selbstwertgefühl.
  • Traditionell chinesische oder westliche Kräuter, Körperbehandlungen, Ernährungsumstellungen und viele gute Vorbilder helfen, die Angstgefühle zu verändern. Nutze diese Möglichkeiten!
  • Freude, Dankbarkeit, Bescheidenheit, Liebe, Geistesfrieden und ein angemessenes Maß an Eindrücken bewirken Ausgeglichenheit, ein ruhiges Herz und einen klaren Geist.
  • Etwas Mut! Denn Furchtlosigkeit führt zu Geduld, einer Eigenschaft des Holzelements. Und die bringt Dich langsam und sicher ans Ziel…

Ich hoffe, etwas Licht ins Dunkel der Angstgefühle gebracht zu haben…

Herzlichst, Eure Susanne

 

Susanne Schiller