Weihnachtszeit, was ist aus dir geworden? Besinnungslos statt besinnlich. Hektisch statt ruhig. Gerhard Kropf macht sich Gedanken rund um das Fest aller Feste.

Von Gerhard Kropf 

Ist wirklich schon wieder Weihnachten? Woran erkennen wir das in der heutigen Zeit? Etwa wenn „Last Christmas“ aus den Radios trällert oder uns die Einkaufsstraßen mit übergroßen Beleuchtungen einladen wollen: „Kauf dich hier glücklich!“ Glücklich? Was heißt glücklich? Weihnachten, wir kennen die Bedeutung, oder? Was war da noch schnell? Geburtstag von Jesus, Heu, Kerzenlicht und Freude. Freude? Was ist Freude?

Durch die Einkaufsgassen rasen, lediglich ausgerüstet mit den Sätzen „Ich muss noch schnell. Ich muss. Ich muss unbedingt noch…“… Dinge kaufen, die wir nicht brauchen. Getrieben von einem Kaufrausch der immer in einem stressigen Einkaufsmarathon ausartet, um dann in einem Fest des Konsums zu enden. Wie wären Weihnachten, wenn wir unsere Seele und unser Herz fragen würden? Was will und brauch ich wirklich? Nun, lassen wir diese Fragen mal sickern. Zugegeben, mächtige Fragen gelassen ausgesprochen. Starten wir einfacher: Warum wurde Jesus gerade gegen Ende Dezember geboren?

Kosmologisch näher betrachtet, ergibt das durchaus Sinn, wie uns ein kurzer Exkurs in die Yin- und Yang Lehre zeigt: Was sind Yin und Yang? Im Wesentlichen bedeutet es: Alles hat ein Gegenüber, ein Gegenstück. Nichts steht für sich allein. Menschen, Tiere, Natur, Interessen, Ideen, Gedankengut, einfach gesagt – Alles. Licht und Schatten, Liebe und Hass, Freude und Ärger, Aktivität und Ruhe.

Das Fest der Liebe fällt in den Winter und hat mit dem Herzen zu tun. Der Winter ist die Zeit des Wassers, des großen Yin. Das Herz, der Kaiser der Organe wird dem Element Feuer zugeordnet. Das Element Feuer, das große Yang ist dem Sommer zugehörig. Weihnachten ist also das Yang im Yin. Yang muss sich verankern können. Feuer im Wasser bedeutet Dinge auszusprechen, die ganz tief im Inneren schlummern. Liebe und Urvertrauen kommunizieren auf diese Weise miteinander und bilden so unsere Ganzheitlichkeit von Körper, Geist und Seele.

Die Wintermonate sollten dazu dienen, dass die Qualität der Ruhe an Kraft gewinnt und sich entfalten kann. Wir sollten in uns „hineinhören“, in unser tiefliegendes Inneres, unser Urvertrauen ins Leben an sich. Eine passende Frage dazu wäre: „Wer bin ich und was will ich wirklich?“ Meist sind es aber ganz andere Fragen die wir uns stellen: „Was soll ich wem schenken?“ oder „Der/Die war auch so lieb, dem/der muss ich auch was kaufen.“, „Ist das auch gut und teuer genug, um mich im Wert des Beschenkten steigen zu lassen?“, oder „Wenn jemand mir etwas schenkt, muss ich deshalb auch etwas schenken?“.

Drei Feiertage und die gefüllten Einkaufswägen lassen eher ein Gefühl aufkommen, dass das in Erwartung stehende Verhungern aufkommt. Was dann, wider Erwarten, doch nicht eintritt und Berge an Lebensmitteln im Müll landen. Keiner stellt sich die Frage, ob das Gefühl des Hungers nicht vom Herzen kommt. Ein Hungern nach Liebe und Geborgenheit. Ein Verlangen nach echten Gefühlen und die Hoffnung in diesen Tagen nicht alleine zu sein.

Gläubig oder nicht, wir können und sollten den Zauber dieser Zeit wahrnehmen und genießen. Nicht, mit der breiten Masse, geleitet von den Reizeinflüssen von außen, mitschwimmen. Nicht mit dem Druck der selbst auferlegten Erwartungshaltung oder dem es anderen recht zu machen. Sonst laufen wir Gefahr, dass das sogenannte Fest der Liebe in einem persönlichen Desaster ausartet.

Und dabei wäre es so einfach…

Wir suchen immer nach übermenschlichen Fähigkeiten und Qualitäten. Allein durch die Suche lösen wir Blockaden aus, die uns daran hindern, unsere wahre Natürlichkeit auszuleben. Dabei liegen diese übermenschlichen Sinne und Wahrnehmungen in unserer Natur. Wir suchen das Göttliche anstatt das Göttliche zu leben. Wir sind keine menschlichen Wesen, die spirituelle Erfahrungen machen wollen, sondern wir alle sind spirituelle Wesen, die menschliche Erfahrungen machen.

Es liegt in unserer Natur im Vorhinein etwas wissentlich zu erkennen, bevor es passiert. Schon einmal erlebt? Es gibt keine Zufälle im Sinne von Bestimmung oder Fügung, sondern es fällt Dir bewusst etwas zu. Die Materie wird vom Bewusstsein gesteuert. Wir leben in einer Struktur, die auf Bewusstsein reagiert und von diesem gesteuert wird. Unser schöpferisches Potential moduliert diese Matrix. Meine Kahuna-Lehrerin Suzann Wiegl sagte: „Die Welt ist ausschließlich so, wie wir Menschen sie denken!“. Mittlerweile gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse dazu und es wird bereits intensiv an dem Thema geforscht. Es gibt eindeutige Beweise, die bestätigen, dass der Mensch seine Umgebung prägt. Viel prickelnder dabei ist, dass der Mensch in der Lage ist, seine Umgebung alleine durch seine Denkweise, sein Bewusstsein und seinen Willen zu formen.

Was ich damit sagen möchte: Warum wenden wir dieses angeborene Wissen nicht an? Erkennen endlich, dass alles so ist, wie es ist, da die Quelle der Gestaltung ja in uns selbst entspringt!

Wie wollen wir nun unsere besinnliche Weihnachtszeit verbringen?

Wieder von einem Geschäft ins nächste hetzen? Stehen die Geschenke und nicht das Schenken im Vordergrund? Wollen wir uns stressen lassen, bis der Energielevel wieder im roten Bereich ist und die Freude für das Wesentliche ausbleibt? Wollen wir, dass jeglicher Sinn dieses Festes, des Festes der Liebe, komplett verloren geht?

Oder lieber doch anders?

Zelebrieren wir Weihnachten so, wie wir es von Herzen wünschen. Das Fest der Liebe und Geborgenheit. Liebe und Vergebung zu sich selbst und zu anderen. Denn die Schöpfung ist Liebe. Liebe dich so, wie du bist. Nutzen wir die besinnliche Zeit, wozu sie vorgesehen ist. Rückzug und Kräfte sammeln, diese zur Transformation freigeben, um Altes zu beenden und Neues vorzubereiten. Versuchen wir unsere wahre Mitte zu finden, um diese mit wohlig wärmenden Gewürzen, Speisen und Getränken zu verfeinern. Besinnen wir uns auf unsere Weiblichkeit und Männlichkeit. Nehmen und geben wir uns diese Zeit, um unsere Liebe zueinander zu nähren. Teilen wir diese Liebe mit den Menschen, die uns etwas bedeuten und nutzen wir diese besinnliche Zeit für Zusammenkünfte. Liebe ist einer der wenigen Qualitäten die sich vermehrt wenn man sie teilt.

Weihnachten ist nicht irgendein Fest, zu irgendeiner Zeit. Weihnachten ist das Yang im Yin.

Gerhard Kropf