Kümmere dich gut um deinen Dämon. Pflege den Kontakt mit ihm, umarme ihn, dann wird er sich um dich kümmern, wenn du ihn brauchst!

Von Wolfgang Löffler

Es ist soweit, Weihnachtszeit. Und wie jedes Jahr wird diese durch den Nikolaus und den Krampus eingeläutet. Dabei ist der Krampus eine der umstrittensten Figuren in unserem Brauchtum. Eltern und Großeltern sind hin- und hergerissen zwischen „das härtet die Kinder ab“ und „sie werden traumatisiert“. Tatsächlich hat die Art und Weise wie der Krampus früher aufgetreten ist, bei manchen seine Spuren hinterlassen. Noch nach Jahrzehnten sind Erwachsene traumatisiert, auch wenn sie das mit Hilfe der Vernunft relativieren und umschiffen können. Sollten sie aber mal in eine Lage kommen, wo dieser Aspekt adressiert wird, wo es um Angst oder Hilflosigkeit geht, sind sie energetisch sofort wieder in diesem Moment wo alles begann und die Angst ist wieder da. Ihre Reaktion die eines verängstigten Kindes.

Aber solche Rituale können, mit dem richtigen Chi im Hintergrund, eine unwahrscheinlich stärkende Wirkung haben. Wenn man vorher erklärt, dass die Krampusse nur verkleidete Menschen sind (was für sich alleine auch noch nicht viel bringt, weil es nur den Intellekt anspricht, aber noch nicht mit Erfahrung verbunden ist). Dann das Schauspiel an sich, wo Kinder versuchen, die eigene Angst zu überwinden und letztendlich vom Krampus die Hand gereicht bekommt. Und danach, wenn die Show vorbei ist und die Krampusse noch etwas bleiben, die Masken abnehmen, einen Punsch trinken, die Kinder ohne Maske begrüßen, oder die Kleinen sogar die Maske aufsetzen lassen, sickert es langsam hinein: „Der Krampus, der Dämon, ist wie ich. Und ich bin wie er (oder sie).“ Diese Erfahrung, diese Erkenntnis lässt uns den Dämon in uns willkommen heißen, ihn umarmen, seine unbändige Kraft schätzen.

Das ist gut, denn er ist in uns allen, wartet darauf bewusst hervorgeholt zu werden und uns in den schlimmsten Momenten beizustehen. Die Erfahrung hat unsere Nieren gestärkt und mit der Kraft des Nieren-Yang kann unsere Galle, unterstützt von der Leber und ihren Emotionen, explosiv und mit überwältigender Macht in Aktion treten. Angst existiert in dem Moment zwischen der Notwenigkeit und dem Punkt, an dem wir in Aktion treten. Sobald wir handeln, ist die Angst verflogen. Die Galle, als Ausdruck des Nieren-Yang, hilft uns, diese Zeitspanne kurz zu halten und ungehemmt, entschlossen und frei von Angst zu handeln.

Kümmere dich gut um deinen Dämon. Pflege den Kontakt mit ihm, umarme ihn, dann wird er sich um dich kümmern, wenn du ihn brauchst!

Wolfgang Löffler