Was macht man, wenn man mehr oder weniger alles erreicht hat und trotzdem nicht ganz zufrieden ist? Am besten: Shiatsu. Eine wahre Geschichte.

Von Georg Bogner

Ich kenne einen Mann: Verheiratet, wunderbare Ehefrau, 2 tolle Kinder, sorglose Kindheit im Kreis einer großen Familie, guter Job im Top-Management einer kleinen internationalen Unternehmensgruppe. Sehr vieles ist einfach leistbar, ein guter Lebensstandard, schöne Urlaubsreisen, Wochenenden am Land, viele Freunde, die halbe Welt bereist. Es fehlt an nichts. Er ist 35 Jahre alt, arbeitet seit 10 Jahren in diesem Unternehmen, hat alles was man sich vielleicht so erträumt.

Aber trotz all der erfreulichen Lebensumstände ist er – kaum zu glauben – nicht glücklich!

Aber er funktioniert. Jeden Montag der erste im Büro und am Freitag meistens der Letze der ins Wochenende geht. Man muss ja den Erwartungen der Mitarbeiter entsprechen. Er macht seinen Job, fliegt wöchentlich beruflich zu den verschiedensten Destinationen in Europa, hetzt von Meeting zu Meeting, sitzt in Budgetbesprechungen, schlichtet Konflikte zwischen Abteilungen, arbeitet viel, schläft wenig, 45 Stunden pro Woche eine Zahl, die ihm fremd ist – lebt das „normale“ Leben eines Managers. Er hilft dem Unternehmen durch gute und schlechte Zeiten. Setzt sich ein, kämpft dafür, ist erfolgreich und verändert vieles zum Positiven.

Nur eines verändert sich nicht: Es fehlt ihm an nichts, aber er ist nicht glücklich…

Sein Instinkt sagt ihm, da ist mehr! Aber die Scheuklappen verdecken den Blick auf das Leben. Er fühlt nicht die Kraft, die im Leben steckt, erkennt nicht die Schönheit des Lebens. Vielmehr unterliegt er den Erwartungen des Lebens und des sozialen Umfelds. Fühlt sich irgendwie fremdbestimmt. Wie ein nasser Sack schleppt er sich durchs Leben. Ist das alles, was das Leben zu bieten hat? Muss man im Leben leiden, um das Glück zu finden? Darf man überhaupt glücklich und zufrieden sein? All diese Fragen schwirren ihm im Kopf herum.

Zehn Jahre später

Inzwischen 45 Jahre. Aufgestiegen im gleichen Unternehmen in die Geschäftsleitung, gleiche wunderbare Frau, 2 wunderbare (pubertierende) Kinder. Aber er hatte nicht viel mitbekommen von der Entwicklung seiner Kinder. Warum habe ich nicht mehr Zeit mit meinen Kindern und meiner Frau verbracht? Was habe ich alles versäumt? Ich will hier raus! Ich will etwas anderes machen! Das kann doch nicht alles sein! Fordernde Gedanken, die immer häufiger auftauchen, immer öfter präsent sind und ihn immer mehr beschäftigen. Aber es melden sich sofort immer Bedenken und das schlechte Gewissen: Du kannst doch die Firma nicht im Stich lassen, die brauchen Dich! Du hast eine Familie zu ernähren! Was denken die Eltern, wenn du etwas anderes machst? Was denken deine Freunde? Was kommt auf dich zu, wenn du etwas anderes machst, als das, was die Welt von dir kennt und „erwartet“?

Mit bestem Wissen und Gewissen führt er das Unternehmen weiter. Hält die soziale Maskerade aufrecht. Aber im tiefen Inneren will er nicht mehr. Der Wunsch sich zu verändern wächst und wächst. Was gibt es mehr „da draußen“ im Leben?
Eines Nachts wacht er auf. „Ich will nicht mehr in der Wirtschaft tätig sein“. Ein kurzer, aber lebensverändernder Gedanke, der in seinen Kopf schießt. Am nächsten Morgen Verwunderung. Was war das? Woher kam das? Der Gedanke hat sich stark angefühlt, fast wie ein Auftrag! Und er beschließt noch an diesem Tag es umzusetzen. Er erklärt es seiner Frau. Legt ihr seine Gedanken klar. Sie unterstützt ihn. Wenn es so ist, dann setz es um. Unsicherheit entsteht. Was werden die Menschen denken? Darf man das überhaupt? Existenzängste, wie soll ich meine Familie ernähren und vor allem die Frage: Was soll, bzw. was will ich überhaupt nun tun? Große Verunsicherung, Selbstzweifel, aber er fühlt auch eine große Erleichterung, den alten Rucksack abzuwerfen. Er legt alle seine Ämter geordnet zurück und ist arbeitslos.

Er überlegt, welcher Job ihm zusagen würde, macht Tests für Berufsberatung, denkt, wo führt das hin? Kein Einkommen, aber Familie, Haus. Der Lebensstandard will auch aufrechterhalten werden. Eine Zeit lang reicht noch das Ersparte, aber was dann? Stunden, Tage, Wochen wandert er durch die Stadt, ohne konkrete Ziele. Er lässt sich treiben. Seinen Weg durch Wien weisen ihm oft nur die grünen Ampeln, denen er folgt. Es hat für ihn etwas meditatives, Bewusstseins erweiterndes. Sein eingeschränkter Blickwinkel auf das Leben erweitert sich und er merkt, neue Dinge dürfen entstehen. War er bisher selbstbestimmt., oder fremdbestimmt? Was will er wirklich? Was interessiert ihn im Leben? Wofür würde er brennen? Fragen, die er sich bisher niemals im Leben gestellt hat kommen an die Oberfläche.

Bis eines Tages die Einsicht kommt: Er will mit Menschen arbeiten.

Er will Menschen helfen und asiatische Philosophie hat ihn schon immer interessiert. Die Wanderungen durch Wien haben ihn im Kopf frei gemacht. Er schöpft Mut und sein Unterbewusstsein ist mit den richtigen Informationen gefüttert. Nach circa einem halben Jahr, seit er seine Ämter zurückgelegt hat, wacht er wieder in der Nacht auf. Ein Gedanke, wie ein Blitz schießt durch seinen Kopf. Kaum fassbar, aber deutlich zu spüren. „Shiatsu“. Er dreht sich um und schläft weiter. In der Früh ist die Erinnerung klar und deutlich. Er setzt sich vor den Computer und googelt dieses ihm unbekannt Wort im Internet und findet Antwort!

Mit Shiatsu hast Du mit Menschen zu tun, bei Shiatsu berührst Du Menschen, mit Shiatsu hilfst Du Menschen und Shiatsu basiert auf der TCM. Es vereint all die Punkte, die er seinem Unterbewusstsein als für ihn wichtige Kriterien offenbar suggeriert hat.
Aber wieder entstehen große Zweifel. Mit 45 noch eine neue Ausbildung über 3 Jahre zu beginnen? Mit fast 50 ein neues Leben aufbauen, statt wieder in die alte Branche zurückzukehren? Bis dahin bin ich ja praktisch in Pension….. Aber er entschließt sich dafür. Und er merkt, dass hinter dieser Entscheidung eine große Kraft steckt. Und es fühlt sich gut für ihn an!

Die 3 Jahre Ausbildung waren gefühlt rasch vorbei. Das Eindringen in diese unbekannte (energetische) Welt hat für ihn ganz neue Perspektiven und Einsichten zum Leben und zum großen Ganzen gebracht. Ein neues Weltverständnis, das Gefühl von Selbstbestimmtheit. Er hat die Leidenschaft für das Leben wiederentdeckt. Er ist dankbar für die 20 Jahre Hardcore-Businesswelt. Es ist ihm eine wunderbare Grundlage in seinem „neuen“ Leben, wo es darauf ankommt, empathisch auf Menschen einzugehen, sie zu spüren, sie zu verstehen. Er praktiziert heute in seiner eigenen Praxis. Zufällig (obwohl er heute nicht mehr an Zufälle glaubt, sondern eher an Bestimmung oder Fingerzeige des Universellen), konnte er am Ende seiner Ausbildung mit einigen Kollegen die Schule, wo er die Ausbildung absolviert hatte übernehmen.

Heute ist sein Leben um vieles entspannter, leichter, glücklicher, vollkommener. Er ist wachsam um lauscht, was das Leben ihm mitzuteilen versucht. Er ist sicher, dass sein Weg der richtige ist und vertraut, weil er wieder Spaß und Freude am Leben gefunden hat und jeder Moment kostbar ist. Gerade heute sitzt er mit seiner Familie auf der Terrasse, genießt den Moment, freut sich. Und denkt sich erstaunt.

Der Mann bin ich.
Is it ever too late in live? Never, ever!

Georg Bogner