Alle konzentrieren sich auf Weihnachten. Aber was sind eigentlich die Rauhnächte? Die Rauhnächte sind eine Zeit der Besinnlichkeit und Meditation. Beginnend mit der Wintersonnenwende.

Von Sabine Dorn

Haben Sie Ihre Rauchmelder abgeschaltet? – Um die besinnliche Zeit auch als solche erleben zu können wäre es sinnvoll sich damit auseinanderzusetzen wie diese technischen Dinger funktionieren. Brennende Weihnachtskerzen, oder die aus dem Dachboden ausgekramte Räucherpfanne möchten in der stillen Zeit, wie es so schön heißt, zum Leben erweckt werden. Die neumodischen Objekte die an den Decken montiert oft leicht übersehen werden, führen manchmal dazu, dass das friedliche Fest einen theatralischen Schub erhält – Leiter hervorgeholt, Schraubenzieher gesucht und im Sonntagsanzug dann gehandwerkt wird – die moralische Unterstützung von unten zurufend, der gesamten Familie nicht zu vergessen.

Die Rauhnächte eignen sich hervorragend innezuhalten, Innenschau zu betreiben und eine etwaige Neuausrichtung seines Lebens anzugehen. Terminlich liegen diese 12 Nächte und Tage, zwischen dem 21. Dezember und dem 6. Jänner des Neuen Jahres. Sie entstanden aus der Umstellung des Kalenders in Mondjahren gerechnet auf den heute gültigen Sonnenkalender. Der Mondkalender bestand aus 354, während das Sonnenjahr 365/366 Tage umfasst. Diese eingeschobenen Tage werden auch als „tote“ Tage bezeichnet, die es eigentlich nicht gibt – eine wunderbare Grundlage um Dämonen, Untoten, Geistern und anderen übermenschlichen Kräften Raum zu geben.

In der heimischen Tradition wurde zu dieser Zeit die Räucherpfanne hervorgeholt, heiße Kohlen und Weihrauch hineingelegt und Haus und Hof geräuchert. Man nahm sich Zeit dafür. Wenn ich mir die Zeit zum Räuchern nehme, heißt das für mich, dass ich bewusst einen Raum nach dem anderen mit meiner Räucherschale abschreite, den Raum wahrnehme, dankbar diesen auch wertschätze in dem ich Leben und arbeiten darf. Den Rauch beobachte wie er sich an den unterschiedlichen Plätzen in meiner Wohnung bzw. Praxis entwickelt, verhält – und manchmal so gar nicht aufsteigen möchte.

Ich räuchere meist in 2-3 Durchgängen. Bei der ersten Räucherung meist mit Salbei oder ähnlich reinigenden Kräutern lasse ich den Rauch sinken, alles mitnehmen was energetisch nicht mehr gebraucht wird in diesem Raum, um danach beim öffnen der Fenster hinaus zu dürfen. Mit wohlig, warm duftendem Weihrauch gehe ich meine nächste Runde – die Räume anreichern, nachdem sie zuvor gereinigt worden sind. Und genau das ist es, was auch wir mit uns machen sollten in dieser Zeit. Innehalten, welche Gedanken, welche Tätigkeiten, welche Beschäftigungen, Menschen bzw. welche Muster in meinem Leben möchte und darf ich gehen lassen – um Platz für Neues zu schaffen. Wie soll nun dieses Neue aber ausschauen? Was soll das Neue überhaupt sein?

Tja, darauf kann ich Ihnen hier nun auch keine Antwort geben – die Augen und alle anderen Sinne offen zu halten hilft, um es auch zu sehen und erkennen zu können. Manchen erscheint es beim Meditieren, beim Spazieren in der Stille, beim Lesen eines Buches, bei einem Gespräch mit anderen Menschen aber vielleicht auch beim Träumen im Schlaf. Sich seiner Bedürfnisse klar zu werden und diese auch in Worte zu fassen kann ebenfalls helfen sich seiner Ausrichtung, Wünsche, Ziele bewusster zu werden.

Wachsam diese Zeit der Rauhnächte zu nutzen – ob mit oder ohne Räucherwerk bleibt Ihnen überlassen. Und wenn Sie sich nun fragen, was das nun mit Shiatsu zu tun hat – auch unsere Körper zeigen uns, dass wir vielleicht an Dingen festhalten, die wir gar nicht mehr brauchen. Und ShiatsupraktikerInnen schaffen dann in den Körpern Raum für Neues.

Sabine Dorn