Der perfekte Zündstoff für das Nierenfeuer, vor allem in der kalten Jahreszeit.

Von Silvia Fröhlich

Gehörst du auch zu den Personen, die sich im Winter am liebsten hinterm Ofen verkriechen möchten und am liebsten erst wieder im Frühjahr, so wie das Murmeltier aus ihrem Winterversteck, hervorkommen. Oder zählst du zu den Menschen, die sich, wenn die Temperaturen unter die 20 Gradgrenze rutschen, mit einem warmen Flanellpyjama und zwei paar Socken bekleidet, einer dicken Decke und einer Wärmeflasche ausgerüstet, nicht mehr von ihrer Couch wegzubewegen sind. Wenn Blasenentzündung kein Fremdwort für dich ist, du nicht nur unter kalten Füßen, sondern auch kalten Knien, Oberschenkeln und Po leidest. Dir der untere Rücken oft schmerzt und dir der Antrieb und deine Willenskraft verloren gegangen sind, dann fehlt dir, (wie wir in den anderen Winterblogartikeln schon gelesen haben) die wärmende und aktivierende Yangenergie.

Der Winter die Zeit des großen Yin (Kälte)

Er symbolisiert auch das Element Wasser. Zum Funktionskreis des Wassers zählen Niere und Blase. Herrscht hier zu viel Kälte, kann eine chronische Blasenentzündung entstehen. Daher ist es wichtig, besonders in der kalten Jahreszeit, darauf zu achten nicht nur von außen, sondern sich im Inneren warm zu halten. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel darauf zu achten warme Speisen zu sich zu nehmen und auf Rohkost zu verzichten. Auch die Natur hat uns hier eine besondere, heilkräftige und wärmende Pflanze – den Wacholder (Juniperus) – zur Verfügung gestellt, um unser Nierenfeuer wieder mit einem Funken (Yang) zu entfachen. Der Wacholder ist ein ein wahres Yangtonikum und zählt zu den besten einheimischen Pflanzen, um unser Immunsystem zu stärken. Hier spielen die dunkelblauen, fruchtig, bitter, süß und scharf schmeckenden und nach Harz riechenden Wacholderbeeren, mit ihren hohen Gehalt an ätherischen Ölen eine ganz besondere Rolle.

Das Entfachen des Nierenfeuers lässt uns wieder unser volles Potenzial entfalten!

Der Wacholderbeere stärkt, laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), unser Nierenfeuer. Wir brauchen ausreichend davon, um all die alchemistischen Umwandlungsprozesse im Körper abwickeln zu können. Der Wacholder ist hier die Pflanze der Wahl, welche das etwas zu klein geratene Nierenfeuer, wieder zur Flamme werden lässt. Lodert das Herdfeuer (Nierenyang) wieder voll, kann „der Topf“ nämlich unsere Verdauung (Milz/Magen) wieder seine Aufgabe erfüllen und genügend Wärme erzeugen. Der scharfe Geschmack der Wacholderbeere, hat die besondere Eigenschaft das Feuer/die Wärme (Yang) im Inneren zu entzünden ohne dass die Wärme durch zu stark geöffneten Poren wieder verloren gehen kann. Dies bewirkt eine langanhaltende Tiefenwärme. Mehr Wärme bedeutet auch das, dass Qi wieder fleßen kann und die Wärme kann wieder bis zu den Zehenspitzen transportiert werden. Es fällt uns wieder leichter, in Schwung zu kommen.

Die Wacholderbeere entzündet nicht nur das Feuer, es liefert auch gleich den Brennstoff: das enthaltene Harz und die Süße mit. Dies bewirkt, dass unser wertvolles Yin nicht verbraucht oder verletzt wird. Die Beeren, die eigentlich keine Beeren, sondern Beerenzapfen sind, stärken das Abwehrsystem, fördern die Verdauung. Sie können hilfreich bei Rheuma, Arthrose, Gicht (Kälte-Wind-Feuchtigkeits- Bi-Syndrom) sein und wirken positiv auf unsere Atemwege. Es darf jedoch die stark yangige Wirkung nicht unterschätzt werden. Der Wacholder darf nicht überdosiert werden oder ohne ärztliche Absprache wahlos eingenommen werden. In der Schwangerschaft und bei entzündlichen Nierenerkrankungen darf die Beere nicht verwendet werden

Der Wacholder in der Volksmedizin

Welch hohen Stellenwert der Wacholder in der Volksmedizin eingenommen hat zeigen uns die folgenden Sprüche: „ Vor dem Holunder sollst du den Hut ziehen und vor den Wacholder sollst du einen Knicks machen“ oder „ Eßt’s Kranawitt (Wacholder) und Bibernell, dann strebt ihr nit so schnell“

Pfarrer Kneipp empfiehlt zur Stärkung der Nieren,das Kauen der getrockneten Wacholderbeeren. Am ersten Tag beginnt man mit vier Beeren und steigert pro Tag um eine weitere Beere, bis man bei 10 Beeren pro Tag angelangt ist. Dann reduziert man wieder pro Tag um eine Beere bis man wieder bei vier Beeren angelangt ist. Achtung von der Überdosierung, da sonst die Nieren zu stark gereizt werden. Im Alltag ist die Gefahr doch relativ klein, denn ihr intensiver Geschmack macht die Wacholderbeere nicht gerade zum Naschwerk der ersten Wahl.  Äußerlich angewandt wirkt eine Fußmassage mit Wacholderöl oder hochprozentigen Wacholdergeist durchblutungsfördernd und wärmend. Es hilft das starke Kälteempfinden zu reduzieren. Schnell gehören kalte Füße der Vergangenheit an.

Ich hoffe, ich habe euch dazu angeregt, beim nächsten Verspeisen von Sauerkraut die kleinen Wunderbeeren nicht achtlos als Tellerrandverzierung zur Seite zu schieben. Solltest du lieber, den Wacholder in flüssiger Form als Gin Tonic (übrigens Queen Mum´s Lieblingsgetränk) zu dir nehmen, dann denke daran welche heilsame Kraft die kleine Beere besitzt.

Somit wünsche ich euch warme Füße! Und haltet euch warm, denn obwohl die Tage allmählich länger werden, treibt Väterchen Frost noch sein Unwesen.

Silvia Fröhlich