Von 19. bis 20. Oktober hatten wir die seltene Möglichkeit, Leisa Bellmore aus Kanada als Vortragende an der Hara Shiatsu Schule erleben zu können. Ihrem Ruf gerecht werdend, hatte sie für uns hochinteressante Workshopthemen zu „Migräne“, „Demenz“, „neurologische Beschwerden“ und „wissenschaftliche Forschung bei Shiatsu“ im Gepäck mitgebracht.

Text: Dr. Kristina Pfeifer

Und so konnten wir Workshopteilnehmer*innen wieder einmal die Vortragsqualität von Leisa erfahren, die mittels solider überschaubarer Fachinformation und wunderbaren Shiatsu-Anwendungen jede und jeden mit Motivation packt. Sie brachte uns klar und gut merkbar die Pathophysiologie von Alzheimer und verwandten Demenzerkrankungen dar, wie Shiatsu die Betroffenen, die Angehörigen und Betreuenden unterstützen kann, worauf wir achten müssen und welche Erfolge im klinischen Bereich mit Shiatsu bereits erzielt wurden. Zu unserer Begeisterung konnte sich das Forschungsteam der Hara Shiatsu Schule (Maria Schwaiger, Andrew Couse, Philipp Walz und Manuela Kloibhofer) das soeben eine qualitative Studie betreffend Shiatsu für Klient*innen mit Demenzerkrankung in Kooperation mit der Caritas abschließt, mit Leisa inhaltlich austauschen und wir fanden viele Gemeinsamkeiten bei unseren Erfahrungen. Doch die Begeisterung für das Potenzial von Shiatsu in der Betreuung bei Demenz packte nicht nur unser Team, sondern alle Teilnehmer*innen, die sich für die eigene Praxis in diesem Bereich nun gestärkt fühlen. Und das Abenteuer hörte hier nicht auf. Denn auch beim Thema Migräne fanden alle Beteiligten Anhaltspunkte aus ihrer eigenen Praxis. Leisa unterrichtete uns über die 4 Phasen eines Migräneanfalls, mit welchen Vorzeichen und allgemeinen Methoden man diesen in der frühen Phase gegebenenfalls abwendet oder abschwächt, und wie hier mit Shiatsu hilfreich unterstützt wird. Hinzu kam noch kurz und prägnant wieder Wissen zur Pathophysiologie und medizinischen Diagnosestrategie, sodass wir mit Ärzten und Ärztinnen eine gute Gesprächsbasis bilden können.

Medizinische Medikationen und Strategien der alternativen Heilmethoden gehörten auch stets zum jeweiligen Thema, um einen guten Überblick zu erhalten. Leisa’s Vortragspaket zu den neurologischen Beschwerden (z.B.: Multiple Sklerose, Periphere Neuropathie, zentral neuropathische Schmerzen, etc. …) konnte ebenfalls mit Aha-Erlebnissen unsererseits aufwarten. Jedes Thema war natürlich mit praktischen Shiatsuanwendungen begleitet, die wir an uns gegenseitig ausprobieren konnten. Hier hatten wir die tolle Möglichkeit, den Namikoshi-Stil genauer kennenzulernen, jener Shiatsu-Stil der zu Anfangs des 20. Jahrhundert die offizielle Anerkennung von Shiatsu in Japan ermöglichte und bis heute in Japan, sowie weltweit neben anderen Stilen, angewendet wird. Während wir an der Hara Shiatsu Schule einen sehr unmittelbaren Stil nach Masunaga, einem Schüler von Namikoshi, lernen und somit Aspekte der TCM und der westlichen Anatomie verbinden, ist der Namikoshi-Stil hingegen auf der westlichen Anatomie allein aufgebaut. Dies führt dazu, dass wir teilweise unterschiedliche Druckpunktzuordnungen haben, doch zeigte uns die Praxis mit Leisa, dass die Unterschiede zwischen den beiden Stilen gar nicht so groß sind. Wir verstanden uns prächtig und fanden viele Gemeinsamkeiten, wie etwa der gesamtheitliche Ansatz, gewisse Anwendungstechniken der Druckpunkte und generelle Arbeitsprozeduren.

Ein großes Anliegen von Leisa ist die Entwicklung von Shiatsu in der Forschung. Schon am European Shiatsu Congress waren ihre Vorträge hierzu der Impetus für die Entstehung der Shiatsu Research Network (shiatsu-research-network.org). Und auch diesmal motivierte ihre klare und einfache Darstellung der wichtigen Aspekte anerkannter Forschung, dass jede und jeder sich in das Abenteuer der Wissenschaft hineinwagen kann. So konnte das Forschungsteam der Schule für sich neue Reize weiterführender Studien finden, und auch einige Teilnehmer*innen fanden hier eine neue Dimension persönlichen Engagements in der Welt von Shiatsu.

Wer mehr über Leisa erfahren will, kann sie auf ihrer Webseite besuchen (http://www.leisabellmore.com) und allenfalls gerne kontaktieren. Im Frühsommer 2019 startet ihre zweite Tournée in Europa, sodass man ihre Workshops in der „Schule für Shiatsu“ in Hamburg (31.5.-2.6.2019) oder im ESI Berlin (6.6.-7.6.2019) erfahren kann.

 

Dr. Kristina Pfeifer