Shiatsu kann weit mehr als eine Methode sein, weit mehr als ein Beruf. Shiatsu kann ein Weg sein, der uns wachsen lässt, auch und vor allem spirituell. Doch was bedeutet das genau: Spiritualität? Vor allem in helfenden Berufen?

Von Ananda Hummer

Neues gibt es nicht
so verzicht
auf dies Idee
sie ist Schnee
von gestern

 das wissen des Einen
steht auf sicheren Beinen
schon tausende Jahre
so erfahre
was du bereits weißt
was bisher im Geist
sinke nun in die Zelle

 Neues wünscht sich bloß der Verstand
doch alles ist schon bekannt
es gilt das Alte zu realisieren
so lass es passieren
es wird geschehen
Verstehen sich wandeln
in tiefes Wissen

 und wenn all das, was du bisher gehört hast
dir unter die Haut geht,
dir in die Knochen fährt,
verblasst die bisherige Sicht der Dinge
zu einer sich rasch entfernenden Erinnerung

 by Ananda

Was ist es, das heilt?

Heilung wird ja sehr unterschiedlich definiert. Um keinen bestehenden Heilungsansprüchen in die Quere zu kommen nenne ich hier die Veränderung zum „Besseren“ einfach Gesundung. Gesundung geschieht in seiner Essenz, indem sich das Niveau der Schwingung erhöht.

Egal ob Wissenschaft oder Spiritualität, es ist mittlerweile Basiswissen das alles, von Gedanken bis hin zu dem was wir Materie nennen, schwingt. Alles ist in seiner Ursubstanz Schwingung in unterschiedlicher Frequenz und Dichte.

Wenn wir also auf körperlicher Ebene etwas bewirken, tun wir das zwar scheinbar auf materieller Ebene indem wir berühren, drücken, ziehen, streichen, kneten, chemische Medikamente verabreichen, Kräuter, Edelsteine, Essenzen oder Elixiere einsetzen, fasten, entgiften, ernähren, etc., aber die Wirkung geschieht auf der feinstofflichen Ebene der Schwingungen.

Veränderung geschieht auf Schwingungsebene!

Diese Schwingungen beeinflussen wir eben chemisch durch Substanzen, mechanisch über Berührung und manches auch direkt über Schwingung, wie der Einsatz von Homöopathie, Edelsteinen oder Essenzen.

Energiefluss

Unterschiedliche Energieniveaus haben immer die Tendenz sich auszugleichen. Dabei ist die Bewegungsrichtung von der höheren Schwingung zur niedrigeren. Energie fließt von „oben nach unten“, so wie Wasser kann sie nicht „bergauf“ fließen. Wer sich auf einem höheren Energieniveau befindet, gibt automatisch Energie „nach unten“ ab. So kann man getrost sagen, dass es die wichtigste Aufgabe für Menschen in helfenden / heilenden Berufen ist, das eigene Energieniveau hoch zu halten.

Wie kann man sein Energieniveau erhöhen?

 Vereinfach gesagt, vermeide alles was dich runterzieht, suche alles,  dass deine Energie erhöht. Was zieht nach unten? Nun allgemein sind das Dinge wie leben im Großstadtdschungel, funktionieren im Beruf, streiten in der Beziehung, sich reiben an Politik, ungesunde Ernährung wie Fleisch, Tierprodukte, Fertigprodukte, Tiefkühlkost, Mikrowellennahrung, … und jeder Form von Negativität sei es in Tat oder Denken.

Was erhöht? Aufenthalt in der Natur, Bewegung, gesunde Ernährung, Psychohygiene… freudvolle Gedanken… Und spätestens hier kommt Spiritualität ins Spiel, denn nichts erhöht die Energie mehr als wenn du eintauchst in den Bereich jenseits deiner Prägungen und Muster.

Deine persönliche Geschichte hat dich zu einem gut funktionierenden Organismus gemacht. Das ist sehr praktisch für das tägliche Leben. Gleichzeitig lässt dieses Funktionieren nichts zu, was sich außerhalb deiner bekannten Welt abspielt. Wir wenden unaufhörlich Energie auf um unsere persönliche Welt zusammenzuhalten, uns davor zu bewahren einzugehen in das kosmische Eine. Das ist der größte Energieschlucker überhaupt.

Spiritualität ist jener Bereich wo wir unser gemachtes Nest verlassen, uns über den Tellerrand hinauslehnen womöglich soweit, dass wir fallen, hinein in die Arme der Unbegrenztheit. Haben wir einmal den Kosmos jenseits unserer begrenzenden Verhaltensmuster als unser wahres Zuhause erkannt, setzen wir dadurch eine sehr große Menge an Energie frei, Energie die bisher für das Überleben des Egos gebraucht wurde. Das Ego ist der größte Energieräuber, seine Aufrechterhaltung verschlingt Unmengen Lebensenergie.

Die Mär der Abgrenzung

Wer kennt sie nicht?! Jedem der mit und am Menschen arbeitet wir laufend geraten, sich abzugrenzen. Niemand kommt an dem Thema vorbei und es stehen eine Menge Methoden dafür zur Verfügung. Doch Abgrenzung ist eine Notlösung und genau genommen ist sie kontraproduktiv in der Arbeit mit Menschen.

 Die Idee sich abzugrenzen kommt natürlich aus dem Ego. Es fürchtet um seinen Hoheitsbereich und macht das gleiche was es immerhin die ganze Zeit macht: Es zieht Grenzen im unbegrenzten Sein, es wendet sehr viel Energie dafür auf, um sich selber zu erhalten und zur Not auch zu verteidigen. Das Problem ist, das Ego sieht immer eine Notwendigkeit dafür seine „Privatsphäre“ zu schützen.

Doch genau das ist hinderlich, wenn wir mit Menschen sind. Egal ob wir mit ihnen arbeiten oder aus privaten Gründen. Wo Grenzen sind ist keine Offenheit. Energie jedoch fließt pausenlos und unerschöpflich. Energie kann wissenschaftlich gesehen nicht „sterben“ oder weniger werden, ihre Natur ist es zu fließen und sich zu verwandeln. Wird sie durch eine Grenze gehindert, fließt sie dennoch, jedoch innerhalb des begrenzten Systems.

  • Energie die in uns ist und nicht ungehindert in alle Richtungen fließen darf, bleibt im Körpersystem gefangen. Das ist nicht gut für den Körper, denn diese Energie gehört nicht mehr zu ihm, sie wird daher „giftig“ und kann im Körper Schaden anrichten.
  • Energie die uns umgibt und „von außen“ auf unsere Grenzen stoßt, prallt an uns ab und fließt einfach woandershin. Sie bleibt vollkommen ungenutzt.

Erst wenn es gelingt, uns nicht zu verschließen, sondern im vollkommenen Vertrauen mit den Energien zu fließen, können wir wahrhaftig und im vollen Umfang geben und Nehmen und somit für andere Menschen da sein. Die bekannte Aussage: „Wer vollkommen offen ist, kann nicht ganz dicht sein“ verliert hiermit ihre Gültigkeit und lautet jetzt: „Nur wer nicht dicht macht, kann vollkommen offen sein“

Spiritualität

Der Bereich jenseits der persönlichen Schwelle zum Unbekannten, nennen wir gewöhnlich Spiritualität. Es bezeichnet eigentlich nichts anders, als das, was wir (noch) nicht verstehen. Derjenige, welcher bereits tief im reinen Bewusstsein ruht, sieht darin nichts Spirituelles, ist es doch sein Zuhause. In diesen Bereich des reinen Bewusstseins kannst du auf verschiedenen Weisen vordringen:

  • Die wohl gefährlichste und kurzlebigste ist durch Einnahme von Drogen – forget it! Es führt dich zwar im Eiltempo in hohe Sphären, jedoch ohne Vorbereitung und Verständnis der Gesetzmäßigkeit dieser Sphären spielst du russisches rollet. Es ist reine Glückssache ob du heil wieder rauskommst. Und wenn, dann willst du so schnell wie möglich wieder hin und der einzige Weg den du kennst, ist die Droge also greifst du wieder zu ihr. Gratuliere, du hast dir somit Tür und Tor für eine Substanzabhängigkeit geöffnet.
  • Eine weiter Art ist ein Akt von „Gnade“. Es geschieht, ohne dass du etwas dafür getan hast, meist in Form eines Auflösungsprozesses wenn du dich kraftvoller Natur aufhältst oder ohne ersichtlichen Grund aus heitern Himmel.
  • Auch ein schwerer Schock oder ein Nahtoderlebnis kann dich in das reine Bewusstsein befördern.

Was diese drei Möglichkeiten gemeinsam haben ist, dass du nicht weißt wie du dort wieder auf gesunde Weise hinkommst.

Sie katapultieren dich ins Samadhi (Erleuchtungsbewusstsein), das ein an sich extrem wonnevoller Zustand ist den du nicht verlassen möchtest und nach dem du dich, sobald du ihn gezwungenermaßen verlassen hast, sofort wieder sehnst. Dafür gibt es nur einen Weg – die spirituelle Praxis.

Meine ist die Meditation, doch welche das für dich ist, ist nebensächlich. Jedoch wirst du diesen Weg nicht gehen können ohne jemanden an deiner Seite, der ihn schon gegangen ist, sprich einen Guru, einen spirituellen Lehrer. Denn nichts anderes ist ein Guru, ein Mensch, der den Weg aus eigener Kraft zurückgelegt hat und dich nun begleiten kann. Er beschreibt dir den Weg, lockt dich trickreich über Hindernisse und bewahrt dich davor, zu früh über den Tellerrand zu kippen. Gehen musst du den Weg sowieso alleine, doch der wache Geist des Gurus achtet auf dich. Dort wo es nötig ist, kann er dich auch schon mal schubsen, aber du bist es, der den Weg Schritt für Schritt zurücklegen muss.

Zurück an den Start!

Und das in zweifacher Hinsicht. Wenn du nicht genug vorbereitet bist und nicht bereit, deine Muster, Werte, Vorstellungen vollkommen loszulassen, spuckt dich Samadhi einfach wieder aus und du musst deine „Hausaufgaben“ machen. Im reinen Bewusstsein bleibt dauerhaft nur, wer auf den Ebenen der Selbsterfahrung und der Therapie „aufgeräumt“ hat. Nicht, dass alles vollständig erledigt sein muss, aber ein bestimmtes Maß an Selbstreflexion und psychischen Reinigungsprozessen ist Voraussetzung für das Verweilen im reinen Bewusstsein.

Und auch zurück zum Anfang im Sinne von Helfen und Heilen. Vielleicht ist es dir jetzt klar, was es denn ist, dass in Wahrheit heilt. Dass nicht du es bist, sondern das Gegenteil von dir. Nämlich das, was zum Vorschein kommt, wenn du, das Ego, die Person als das Ergebnis deiner Vergangenheit „zur Seite trittst“. Denn dadurch kann Energie ungehindert fließen. Indem das Ego mit all seinen Filtern und Begrenzungen weicht, stellst du dein System dem Unermesslichen zur Verfügung. Energie fließt durch dich, du bist bloß der Kanal, das Instrument.

Es ist nicht deine Energie, die am Wirken ist, es ist die Energie des reinen Bewusstseins, die deshalb so wirkungsvoll ist, weil sie unbeeinflusst von der Geschichte der Person ist, durch die sie fließt. So ist spirituelle Praxis ein Schlüssel damit Heilsames geschehen kann.

In diesem Sinne:

 Asato Ma Sad Gamaya
Tamaso Ma Jyotir Gamaya
Mrityor Manritan Gamaya

Mögen wir von der Unwissenheit zum Wissen,
von der Dunkelheit zum Licht
von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit gelangen

Om shanti, Ananda

Möchtest du das Thema vertiefen empfehle ich dir das Bauch von Anne Heintze und mir: „Die Gabe der Empathen“. www.open-mind-akademie.de

Ananda Hummer

Ananda Harald Hummer ist spiritueller Coach, Yogalehrer (BYV), Ausbildungsleiter, Therapeut, Poet und Lebenskünstler. In seine Seminare fließen Erfahrungen aus drei Jahrzehnten Meditation, die Tätigkeit als selbstständiger Therapeut (Gestalttherapie und Hakomi) und Co-Leiter des 1. Satsanghauses Österreichs ein.