Karin Kalbantner-Wernicke über den neuesten Trend  aus Japan. Was, bitte sehr, ist Swaddling?

Nun bin ich schon wieder seit einiger Zeit in Japan und unterrichte BabyShiatsu-Kurse. In meinem Kurs letzte Woche wurde ich von einer Teilnehmerin angesprochen, ob ich das Baby-und Erwachsenen Swaddling der Hebamme kennen würde, die gegenüber unseres Schulungsgebäudes ein großes Zentrum hat. Sie sei in Japan sehr bekannt und durch ihre Angebote sehr reich geworden. Das hat mich nun doch sehr neugierig gemacht.

Ich muss gestehen, was ich gesehen habe hat mich doch ziemlich sprachlos gemacht. Daher habe ich einige Screenshots angehängt, damit Ihr Euch selbst ein Bild machen könnt. Die Babys werden so fest in „einer zusammen gefalteten Position“ eingebunden, dass sie nur noch halb so groß sind wie zuvor. Und so bleiben sie nahezu die ganze Zeit, sowohl wenn sie wach sind, als auch wenn sie schlafen, bis zu einem Alter von ca. 3-4 Monaten. Unbedingt glücklich sehen sie dabei nicht aus.

Und dem nicht genug, wird frisch gebackenen Müttern dieselbe Position angeboten, damit sie sich wieder wie im Mutterleib fühlen können. Zudem soll das auch bei Gelenkschmerzen helfen. Die Luxus Variante ist, dass dann noch farbige Tücher über die eingebundenen Mütter gelegt werden, um eine besondere Wirkung zu erzielen. 20 Minuten kosten ca. 26,50 EUR. Der Anblick, wie mehrere solcher Pakete durch den Raum kullern, ist doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Wäre das nichts für uns Shiatsus? Wozu uns anstrengen?
Einpacken – abwarten – fertig!

Nein, im Ernst. Ich stehe dieser Methode skeptisch gegenüber. Ich hatte in meinem letzten Kurs interessanterweise 2 „Verfechterinnen“ der Methode einerseits und Kinderärzte andererseits, was zu einer interessanten und leidenschaftlichen Diskussion geführt hat. Es kommt mir vor als ob jedes Jahr ein neuer Trend die Welt erobert. Letztes Jahr war es zum Beispiel angesagt, die Kinder so an den Körper zu binden, dass die ganz gestreckt sind, damit die Wirbelsäule gerade wird. Mal sehen was nächstes Jahr kommt. Beruhigend ist, dass die Kinder offenbar „flexibel“ sind und ihr Körper anpassungsfähig genug ist, um auch das wegzustecken.

 

Karin Kalbantner-Wernicke