Jede Jahreszeit bringt ihre ganz eigenen Schätze aus der Pflanzenwelt hervor. Jetzt, wo es immer kälter wird und der Winter vor der Tür steht, sind es vor allem die Wurzeln, die uns stärken, wärmen und gut durch die kalte Jahreszeit bringen. Aus der Vielfalt unserer tollen heimischen Heilwurzeln möchte ich euch eine meiner Lieblingswurzeln, die Engelwurz – Angelica sylvestris – vorstellen.

Bei Waldspaziergängen trifft man in ganz Österreich recht häufig auf ihn, den Engel aus dem Wald. ‚So ein Quatsch, Engel gibt’s doch gar nicht’, meinst du jetzt vielleicht. Doch wenn man einmal diese anmutige und doch so zart wirkende Pflanze mit ihren reinweißen Doldenblüten vor sich hat, versteht man, warum sie mit Engeln verglichen wird. Es wird erzählt, dass sie wild nur an Plätzen mit Liebesenergie wächst.

Eine Sage deutet darauf hin, dass die Schutzkräfte der Pflanze himmlischer Natur sein müssen. Denn immerhin stieg der Geschichte nach ein Engel höchstpersönlich vom Himmel herunter, um einem frommen Einsiedler zu zeigen, wie sich dieser vor der Pest schützen konnte. Das Engelsgeschenk war natürlich die Engelwurz. Und aufgrund ihrer potenten und vielseitigen Heilwirkung könnte man sie glatt wirklich als engelsgleich bezeichnen. Denn unsere heimische Waldengelwurz (Angelica sylvestris) sowie ihre stolze großgewachsene Schwester, die Erzengelwurz (Angelica archangelica), sind wahre Allrounder in der Heilkunde.

Der volkstümliche Name Brustwurz lässt schon erahnen, dass sie eine Wohltat für Lunge und Atemwege ist. Vor allem ist sie dort angebracht, wo Schleim und Feuchtigkeit sitzen, die sie löst und beseitigt. Diese Eigenschaft macht sie deshalb auch zum idealen Milz-Qi-Tonikum, das heißt, sie stärkt und tonisiert die Milz und unterstützt sie bei der Umwandlung von Nässe und Schleim.

Angelika ist eine wärmende Kraftspenderin

Darüber hinaus wirkt die Engelwurz im gesamten Verdauungstrakt, im Speziellen blähungswidrig, verdauungsstärkend, galletreibend und reinigend auf den Darm. Dadurch ihre Bitterstoffe zarter Natur sind, kann sie auch bei Entzündungen im Magen-Darm-Trakt verwendet werden.

Angelika in der Frauenheilkunde

Schleim und Feuchtigkeit setzen sich bei Frauen sehr gerne im Unterleib fest, auch hier wirkt Angelika als Licht- und Wärmebringerin auf die erkaltete, verschleimte Gebärmutter und Eierstöcke. Sie ist eine der besten Pflanzen bei Kältesymptomen im Unterleib wie Zysten, ausbleibendem Eisprung und Eileiterverklebungen und wirkt darüber hinaus auch lösend und erweichend auf altes Narbengewebe. Durch ihre östrogenisierende und erdige Wirkung ist sie eine wundervolle Begleiterin in der Umbruchzeit des Wechsels.

Angelika für die Seele

Auf der psychischen Ebene ist sie durch ihre Engelskräfte in der Lage, auch seelische Verletzungen und Narben zu heilen. Ihr weiterer Name Angstwurz verrät uns, dass sie uns Panik und Ängste ebenso nehmen wie sie auch unsere Nerven stärken kann. Als große Schutzpflanze bringt sie Licht und (Lebens)-Wärme in Bauch und Seele.

Als Kräftigungsmittel kommt sie in der Rekonvaleszenz und bei allgemeiner Schwäche, bei chronischen Krankheiten sowie in Lebenselixieren wie Schwedenbitter oder Melissengeist zum Einsatz. Als Tonikum eignet sie sich übrigens auch ganz wunderbar zum Aufwerten von Kraftsuppen.

Engelwurz in der TCM

In der TCM wird die chinesische Art der Engelwurz u.a. bei Impotenz, Unfruchtbarkeit und Libidoschwäche eingesetzt. Auch diese Angelika wärmt, ist vom Geschmack her ebenso bitter, süß und scharf und wirkt vor allem auf Lunge, Dickdarm, Magen, Milz und Unterleib.

Kontraindikationen

Vorsicht ist bei lichtempfindlichen Menschen geboten, denn die Angelika fördert die Sonnenempfindlichkeit aufgrund photosensibilisierender Inhaltsstoffe. Außerdem kann es bei Berührung der Pflanze bei empfindlicher Haut zu Hautreizungen kommen. In der Schwangerschaft soll sie nicht verwendet werden.

Eine schöne Geschichte zur Engelwurz findest du übrigens hier: „Die Begegnung mit dem Pflanzenengel“ Insgesamt ist die Angelika eine wunderbare Begleiterin vor allem für die kalte Jahreszeit, denn sie erwärmt sowohl Körper als auch Gemüt.

 

 

Mag.a Manuela Kloibhofer